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Ausstellung: Carl Albert von Salis
Wer - der Künstler
Carl Albert von Salis (CvS) wurde als mittlerer von fünf Brüdern am 6. Dezember 1886 in Turin geboren. Er wuchs bis zu seinem 14. Lebensjahr in der „Villa Gruber“ in Genua auf, wo sein Vater ein Textilunternehmen führte.

Bildergalerie

1900  trat er ins Gymnasium in Basel ein, welches er mit der Matura abschloss. 1906 zog es CvS an die Kunstakademie nach Karlsruhe. Schon ein Jahr später wechselte er an die Akademie der bildenden Künste in München, wo er sich für einen Lehrgang in Zeichnen bei Prof. A. Jank einschrieb. Das Kunststudium schloss er 1911 ab. Währen diesen Studienjahren wohnte er im Gartenhaus seines Vetters Karl (Nutsch) Gruber in München. Es war eine Zeit, in der er sich intensiv mit der Technik der Radierung befasste, wie eine alte Studiermappe und die vielen Abdrucke von Kupferplatten, sogenannte Radierungen, aus dieser Zeit belegen.

Nach dem abgeschlossenen Studium sind es vor allem Aquarelle und grossformatige Öllbilder die sein Werk bestimmen.
 
Als junger Maler zog es CvS oft ins Engadin, nach Bever, in das dem heutigen Hotel Chesa Salis gegenüberliegende Salis-Haus, das seinem Vaters gehörte. 1913 baute er mit seinem deutschen Vetter Nutsch die Hütte „Plaun da Sel“ oberhalb des Bergeller Weilers  Blaunca (Maloja), welches er bis zu seinem Tod als Ferien-, Feier- und Rückzugsort, als Ausgangsbasis für Bergwanderungen und Skitouren sowie als Atelier nutzte. In dieser Hütte wurde oft und gerne gefeiert, getrunken, gegessen, gelacht, gedichtet und gemalt. Dies ist anhand unzähliger Bilder, Skizzen, eingeklebter Fotos und Gedichte im sorgfältig aufbewahrten Hüttenbuch dokumentiert.
 
Schon in jungen Jahren war CvS viel in den Bergen unterwegs, dies vor allem im Engadin. Im Sommer ging es per pedes auf Wanderungen und zum Bergsteigen, im Winter auf den Ski zu ausgedehnten Skitouren. Diese Wander- und Skiausflüge waren oft richtiggehende Familien- oder Freundestreffen, wie auf vielen alten Fotos zu sehen ist. Er muss ein sehr geselliger, humorvoller, liebeswerter und manchmal auch unkonventioneller Zeitgenosse gewesen sein. Und ein absoluter Genussmensch!
Neben den oben erwähnten Zeitvertrieben huldigte er seinem liebsten Hobby, der Jagd. Sowohl in den Alpen wie auch während seiner Reisen nach Afrika unternahm er ausgedehnte Jagdausflüge, auf denen er immer wieder gezielt ein Tier erledigen konnte.

Im November 1913 reiste CvS mit dem Ehepaar Clary und Walter von Ruckteschell, mit welchen er seit der Studienzeit in München befreundet war, nach Deutsch-Ost-Afrika. Hier waren die drei bis im Juli 1914 künstlerisch tätig, dies vor allem im Kilimanjaro-Gebiet. Zahlreiche Jagdausflüge wurden unternommen und auch hier kamen die Geselligkeit sowie das Kulinarische nicht zu kurz. Und Baccus, dem Gott des Weines und des Rausches in der griechischen Mythologie, wurden ebenfalls nicht zu wenig Opfer gebracht! Im Verlauf dieses Afrika-Aufenthaltes erreichte Carl am 13. Februar 1914 zusammen mit seinem Freund Walter von Ruckteschell den Gipfel des Kibo. Erschöpft und stolz stand er als erster Schweizer auf dem Dach Afrikas! Leider sind aus dieser Zeit in Afrika nur einzelne Gemälde bekannt. Der grösste Teil der damals entstandenen Werke sind bei seiner überstürzten Abreise aus Deutsch-Ost-Afrika nach Ausbruch des ersten Weltkriegs dort zurückgeblieben, wie er in einem seiner Briefe an die Eltern schreibt.

Vor und nach dieser Afrikareise unternahm CvS weitere Studienreisen nach Nordafrika, Süditalien, Sizilien und Dalmatien, wo er mit verschiedenen Maltechniken experimentierte, was viele Bilder und Gemälde belegen.

1921 heiratete er Elly von Jenner und zog mit ihr in das väterliche Haus in Bever. Nach seiner Heirat wurde er sesshafter und war vorwiegend im Engadin und im Bergell malerisch tätig. Die Ehe blieb kinderlos.

20 Jahre nach seiner ersten Afrika-Reise zog es ihn wiederum in den Osten des schwarzen Kontinents, dieses Mal in Begleitung seiner Ehefrau. Unterdessen waren viele der europäischen Kolonien an andere Länder übergegangen, so auch Deutsch-Ostafrika, welches nun Tanganijka hiess und Mandatsgebiet von Grossbritannien war. Auf dieser Reise stand die Jagd im Vordergrund, weshalb das Paar viel und weit herumgereist ist. Das Malen war Nebensache. Während einem Aufenthalt in Marangu am Fuss des höchsten Berges Afrikas wurde er im Ort als berühmter Mann empfangen, was ihn sehr schmeichelte, wie er in seinem Tagebuch der Reise schreibt. Einen zweiten Versuch, den Kilimanjaro zu besteigen, unternahm er nicht.

CvS verbrachte weiterhin viel Zeit mit seiner Frau, mit Familie und Freunden auf der Salishütte in Plaun da Sel, wo er oft mit Skizzenheft, Bleistift, Buntstiften, Wachskreiden und Aquarellfarben oder mit Staffelei, Leinwand, Pinsel, Mischpalette und Farbtuben unterwegs war. Wanderungen, Skitouren oder Ausflüge mit dem Gewehr zogen ihn ebenfalls weiterhin in die Engadiner Bergwelt, alleine oder in Begleitung. Am 23. November 1941, wenige Wochen vor seinem 55. Geburtstag, kam er in der Nähe seiner geliebten Hütte in ein Schneebrett und verstarb.

Was - die Idee
Die Idee, eine kleine Ausstellung mit Werken dieses in weiten Kreisen unbekannten Künstlers zu machen, war bei mir schon seit einigen Jahren vorhanden. Einerseits, da mir die Bilder meines Grossonkels Carl von Salis sehr gefallen, andererseits, da ich versuchen möchte, ihn etwas aus dem Schatten seiner bekannten Zeitgenossen wie Max Alioth, den Giacomettis, Cuno Amiet, Andrea Robbi und den einige Jahre vor seiner Zeit verstorbenen, damals schon berühmten Malern Ferdinand Hodler und Giovanni Segantini zu holen.

Den Ausschlag, die Ausstellung nicht nur im Kopf, sondern auch in der Realität zu planen, die Sache effektiv anzugehen, gab sicher die Anfrage des Salis-Familienverbandes 2014, die vor 20 Jahren von meinem Vater gesammelten Daten zu den Werken Carl von Salis für eine geplante Werkliste des Künstlers zur Verfügung zu stellen.

Ich begann meinerseits, anhand der Unterlagen meines Vaters, nach möglich vorhandenen Bildern zu recherchieren und bin immer wieder fündig geworden - bis heute sind viel mehr Gemälde aufgetaucht, als wir uns vorgestellt haben! Und die Idee, eine kleine, aber feine Ausstellung mit einer beschränkten Auswahl seines Schaffens in die Wege zu leiten, begann konkrete Formen anzunehmen …

Wo - der Ort
Ja - aber wo soll diese Ausstellung denn stattfinden? In einer Galerie - welche interessiert sich für einen eher unbekannten Künstler? In einem öffentlichen Raum, wie etwa einem Gemeindehaus - ist da die Sicherheit gewährleistet? Oder … ?
Und in welcher Gegend, an welchem Ort soll gesucht werden?

Wünschenswerte Orte waren von Beginn an Soglio oder Bever, die beiden Heimatorte unserer Familie. In Soglio bietet sich natürlich der Palazzo Salis an (hier anstelle der omnipräsenten Ahnengalerie). Aber passen die Werke von CvS in die altehrwürdigen Räume des Palazzos?

Und in Bever - wo gibt es da eine Möglichkeit, eine Ausstellung zu realisieren? Bei einem Besuch im Oberengadin sind mein Mann und ich, wie so oft, nach Bever gefahren und kehrten dieses Mal im Hotel Chesa Salis ein, dem Nachbarhaus des letzten Wohnsitzes des Künstlers. Und hier habe ich den idealen Ort gefunden, in welchem die Bilder ausgestellt werden können. Nicht nur, dass es sich um ein weiteres Salis-Haus handelt, nein, es war auch das Haus seines Onkels, welches sich gegenüber seinem eigenen Wohnhaus befindet. Hinzu kommt noch, dass das Direktorenpaar Sibylla und Jürg Degiacomi schon seit Jahren bestrebt ist, saisonal wechselnde Ausstellungen mit Bildern oder Fotografien zeitgenössischer Künstler zu arrangieren. Diesmal werden es zum ersten Mal die Werke eines verstorbenen Künstlers sein, aber der Bezug zum Haus und seiner Geschichte passt perfekt!

Schnell wurden wir uns einig und aus einer Idee, einer Vision wird Wirklichkeit - der Traum der kleinen Ausstellung beginnt konkrete Formen anzunehmen …

Wann - der Zeitpunkt
So bald als möglich sollte die Ausstellung stattfinden, am liebsten 2016, das 130. Geburtsjahr und gleichzeitig das 75. Todesjahr meines Grossonkels. Und auch hier habe ich Glück - die erste Gelegenheit, welche mir Jürg Degiacomi anbieten kann ist … der Sommer 2016! Dann also: nicht lange überlegen und zusagen! Besser geht es nicht und es bleibt genügend Zeit, um die Ausstellung zusammen zu stellen, Besitzer von Bildern anzufragen, einen Leihvertrag auszuarbeiten, zu planen … und sich zu freuen, eine Auswahl von  Werken schon bald in einer überaus geeigneten Umgebung bewundern zu können!

Wie - die Auswahl der Bilder
Nachdem Ort und Zeitpunkt sowie Dauer der Ausstellung festgelegt sind, geht es darum, die Werke, welche gezeigt werden sollen, zusammenzustellen. Wie viele Bilder haben Platz? Wie gross oder klein dürfen sie sein? Soll ein Bilderthema, eine Region oder eine bestimmte Maltechnik vorherrschen? Und nicht zu vernachlässigen: wer ist bereit, eines oder gar mehrere seiner, oft emotional wertvollen, Bilder für die Dauer der Ausstellung in einem Hotel zur Verfügung zu stellen?

Auch diese Fragen konnten innerhalb kurzer Zeit beantwortet werden und nun freuen wir uns, Ihnen einen kleinen Einblick in das Werk eines begabten aber in weiten Kreisen unbekannten Malers zu ermöglichen!

Und falls die grosszügigen Leihgeber der Bilder noch länger die leeren Stellen an den Wänden zu Hause ertragen können, wird die Ausstellung verlängert und die Werke Carl von Salis‘ können bis im Frühjahr 2017 im Hotel Chesa Salis bewundert werden!

Aeugst am Albis, im März 2016
Penelope Willi - von Salis

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