GRAUBÜNDEN GEHT AUS! 2010
150 Restaurants neu getestet

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"Chesa Salis - Alt trifft auf gegenwärtig"...

"Was für ein schönes Gebäude: ein Engadiner Haus aus dem 16. Jahrhundert, umgebaut vom Architekten Nicolaus Hartmann sen. Ende des 19. Jahrhuderts zum herrschaftlichen Wohnsitz für eine der Von-Salis-Familien, später umfunktioniert zum Hotel, das die «Chesa» heute ist. Man würde sich am liebsten in einer der beiden Arvenstuben im Hochparterre, durch das man das Haus betritt, niederlassen. Aber da müsste man schon eine Gruppe sein.

Schön und wohlig ist es allerdings auch im Gartengeschoss. Alt trifft auf gegenwärtig, dicke Mauern auf helle Lampen, Biedermeier- und Louis-XV-Stühle auf die gradling verputzte, weisse Decke. Das Interieur ist nicht aus einem Guss, sondern aus verschiedenen Zeitaltern, was eine gewisse Vitalität ausstrahlt. Wir könnten das fünfgängige Halbpensionsmenu der Hotelgäste bestellen, auch einzelne Teile, etwa Jakobsmuscheln mit Tomaten und Äpfeln. Aber die Karte ist mindestens so verlockend, mit ihrem Bündner Menu (4 Gänge, CHF 94.-) und Bündner Spezialitäten wie Capuns.

Wäre es ein warmer Sommertag, wir würden uns für Fisch entscheiden – eine gebratene Forelle, oder Pasta mit Tigercrevetten. Es ist zwar Sommer, aber kalt und nass draussen. Und von dort kommen wir.

Zuerst gibt es einen feinen Gruss aus der Küche: eine Tranche Bündnerfleisch, unterlegt mit einem kleinen Salat aus Steinpilzen und Linsen. Dann wird’s warm, die Engadiner Hochzeitssuppe (CHF 12.-): Karotten, gelb und orange, Sellerie, geräuchtes Fleisch, alles klein geschnitten, etwas Rahm. Sehr fein. Kross gebraten ist die Entenleber auf Rhabarber – eine süsssaure Speise (CHF 32.-). Hervorragend sind die Fleischgerichte. Erstens das «Zweierlei vom Lamm» (CHF 56.-): Die Koteletts sind noch richtig rot, aber warm, nach Lamm schmeckend, aber nicht nach Schaf; sehr zart der geschmorte Teil. Gut der Risotto, erfrischend das Bouquet aus geraffeltem Apfel und Stangensellerie sowie grilliertem Knollensellerie dazu. Zweitens: Das auf dem Holzkohlegrill gebratene Rib-Eye-Steak von einem Engadiner Angusrind erweist sich als extrem zartes, durchzogenes Stück Fleisch (CHF 46.-). So gut, wie man es in der Schweiz selten auf den Teller bekommt. Prima auch die Plain in Pigna, die Engadiner Rösti, dazu. Ebenso das super luftige Eis-Kaffee-Soft-Ice zum Dessert (CHF 12.-). Die Weinkarte enthält eine erstklassige Auswahl an Weinen aus der Bündner Herrschaft, von Gantenbein, Boner, Fromm, Donatsch, von Tscharner, Wegelin, Obrecht, Grünenfelder, Herrmann und wie sie alle heissen. Wir halten uns noch stärker ans Regionale und einen Tipp von Gastgeber Jürg Degiacomi und trinken einen Fay Sfursat aus dem nahen Veltlin, einen happigen, aber durchaus angriffigen Nebbiolo (CHF 85.-).

Aufgewärmt am Körper wie an der Seele wagen wir uns wieder hinaus in den feucht-kalten Sommerabend. "

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CHESA SALIS
ROMANTIK HOTEL & RESTAURANT
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